Ein Küken malen

Einkaufszettel:
Pinsel:
Flach- oder Katzenzungenpinsel für den Hintergrund, 
1 Da Vinci Nova 10/0 fúr die feinen Details

Ölfarben:
Kadmiumgelb, Goldocker, Sienna gebrannt, Umbra natur, Sepia, Zinkweiß,Titanweiß

Außerdem: 
eine kleine Leinwand oder ein kleines Paneel, 20 x 30 cm

Bevor du beginnst: Auf diesem Bild malen wir sehr feine Details. Das bedeutet, Du brauchst auch einen sehr feinen und glatten Untergrund. Wenn Du nicht auf Paneel malst, dann solltest Du Deine Leinwand sehr, sehr gut grundieren, damit sie schön glatt wird. Wie das geht, habe ich > hier erklärt. 

Jedes Bild beginnt mit einer Vorzeichnung des Motivs. Für dieses Bild habe ich im letzten Sommer Fotos auf dem Hof meiner Nachbarn geschossen, sind alle nichts geworden, bis auf dieses. Das fand ich recht niedlich.

Nun kann man dieses Foto mit einem Raster übertragen, oder aber freihändig zeichnen. Falls Du aber lieber freihändig zeichnest: Zerlege das Motiv in geometrische Formen. Ich habe das anhand dieses Bildes mal für Dich getan, Du siehst, man erhält zwei Formen, die an Eier erinnern. Damit hat man dann auch schon die Grundform.

Kken10
Kken11
Kken12
Kken13

Hier ist nun schon der Hintergrund im Entstehen. Ich verwende dunkles Warmgrau. Mit einem breiten Pinsel bringe ich den ersten Farbauftrag an und spare die Flächen dicht bei den Konturen des Kükens aus.

Danach nehme ich einen feineren, schmaleren Pinsel und male den Hintergrund fertig.

Für den Moment ist an diesem Bild jetzt erst mal nichts weiter zu tun, ich lasse es ein paar Tage trocknen.

Inzwischen sind ein paar Tage vergangen. Das Bild ist trocken, und somit lege ich nun schon den Hintergrund an mit Licht und Schatten.

Wieder habe ich das gleiche Grau verwendet, nur für das Licht habe ich ein wenig Titanweiss beigemischt, und für den Schatten etwas Schwarz. Außerdem habe ich – Zauberei! – das Küken gemalt. Oder besser: die Untermalung.

Welche Farben ich dafür verwendet habe, siehst Du auf meiner Palette. Nun muss das Ganze gut trocknen. Sobald das Bild trocken ist, kann man mit der Feinarbeit beginnen.

Wenn Du gut hinschaust, dann siehst Du schon bei meiner Untermalung, dass meine Pinselstriche der Wuchsrichtung der Federn folgen. Das ist sehr wichtig, und Du musst dieses Prinzip beibehalten, bis das Bild fertig ist. Wir wollen keine farbigen Flächen malen, das kann jedes Kind. Wir wollen ein Federkleid malen.

Bild 1:
Das Küken bekommt Federn. Sie sind natürlich noch nicht fertig, aber bereits erkennbar. Die Federn sind eigentlich nichts weiter als feine Striche mit einem sehr dünnen Pinsel (immer auf die Wuchsrichtung achten!). Ich benutze dafür einen Da Vinci Pinsel aus der Serie Nova, Größe 10/0. Der hat nur gefühlte drei Haare, und es lassen sich damit ganz zarte Linien ziehen.

Bild 2:
Auch den Hintergrund habe ich nochmals überarbeitet – er hat eine hauchdünne sepiabraune Lasur erhalten. Nun muss das Bild erst mal wieder ein paar Tage trocknen.

Bild 3:
Ich habe eine neue Farbschicht aufgetragen, mit der die dunklen Schattenpartien ausgearbeitet werden. Auch an dem Auge habe ich etwas getan, dem Schnabel und den Füßen.

Denke, ich muss nicht erwähnen, dass jede Farbschicht sehr dünn ist. Eine Lasur. Man sieht die darunterliegende Farbe noch durch.

Auf diese Weise kriegt der Kleine nach und nach ein dichtes Federkleid. Dass vor allem auch aussieht wie ein Federkleid, und nicht wie geklodderte Farbe.

Kken4

Bild 1

Kken5

Bild 2

Kken6

Bild 3

Kken7

Bild 4

Bild 4
Bis jetzt war das Küken quietschegelb. Das ist natürlich Quatsch, kein Küken hat eine solche Farbe.

Aber schau mal, was passiert, wenn man über die gelbe Farbe eine zarte graue Lasur legt. Das Gelb scheint noch durch, aber es ist jetzt gebrochen. Und langsam kriegt der kleine Kerl die richtige Farbe.

Das Grau ist übrigens kein wirkliches Grau, sondern gemischt aus Sepia und Titanweiß.

Bild 5:
Zeit für ein bisschen Pediküre. Ich habe die Struktur an den Beinen/Füßen noch weiter ausgearbeitet.

Bild 6:
Und jetzt – beinahe zum Schluss – werden die Highlights aufgesetzt. Nicht zu stark, das Federkleid muss natürlich wirken.

Deshalb verwende ich dafür auch kein Titanweiß, sondern Zinkweiß. Das deckt nicht so gut und ist damit – für diesen Zweck – die bessere Wahl. Auch der Flügel hat nochmals eine weiße Lasur erhalten, und am Schnabel habe ich noch etwas getan. Der war zu platt, es fehlte die Dimension. Aber damit ist das Küken nun – jedenfalls für mich – fertig.