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Licht und Schatten in Zeichnungen

Wie man Licht und Schatten darstellen kann, um den eigenen Zeichnungen Leben und Tiefe zu geben, ist nicht schwer, aber es bedarf einiger Übung.

Wo Licht ist, da ist auch Schatten. Nicht nur im Sprichwort. Schau Dir den untenstehenden Kreis an – durch Licht und Schatten ist daraus eine Kugel geworden.

Festlegung der Highlights

Bevor man sich über die räumliche Gestaltung seines Objekts Gedanken macht, sollte man sich darüber klar werden: wo befindet sich die Lichtquelle?

Als Faustregel gilt: Der höchste Punkt an dem Objekt ist auch immer der hellste, denn er ist dem Licht am nächsten. Die abgewandten Teile liegen immer im Schattenbereich.

Wenn wir uns nun wieder unserer Grafik zuwenden, dann sehen wir genau, von welcher Stelle das Licht auf die Kugel scheint.

Der hellste Bereich auf einem Objekt wird Highlight genannt.

Highlights helfen uns, Dinge dreidimensional darzustellen.

Auf der nebenstehenden Zeichnung einer Nase befindet sich das stärkste Highlight auf der Nasenspitze, und zwei weitere -etwas dunklere - auf den Nasenflügeln.

Dunkle Tonwerte im Schatten

Diejenigen Bereiche einer Form, die das wenigste Licht empfangen oder auf die ein Schatten fällt, werden am dunkelsten dargestellt.

Wenn Du Dir wieder oben die Kugel anschaust, dann kannst Du den halbmondartigen Schatten gut erkennen.

Eine ganze Seite eines Gesichts oder Körpers können im Schatten liegen, wie auf der nebenstehenden Zeichnung von Michelangelo zu sehen ist.

Die Schatten akzentuieren perfekt die einzelnen Bereiche des Gesichts: die Augen, die Nase, den Mund und das Kinn.

Reflektiertes Licht

Hier wird ein schwaches Licht reflektiert und prallt zurück auf ein Objekt oder eine Oberfläche in der Nähe und um es/sie herum.

Reflektiertes Licht kann man besonders auf einer Kugel am besten studieren.

Manchmal setzt man reflektierendes Licht auch ganz bewusst ein, um Konturen besser hervorzuheben. Oder um ein Objekt vom Hintergrund zu lösen. Es ist auch ein hervorragendes Stilmittel, um den Effekt von Dreidimensionalität zu verstärken.

Kernschatten

Ein Schlagschatten (oder aber auch Kernschatten) ist ein dunkler Abschnitt auf einer Oberfläche oder in der Nähe zu einem Objekt, der wenig oder überhaupt kein Licht empfängt.

In der linken Zeichnung wird das Licht auf der benachbarten Oberfläche der Kugel blockiert, was zu einem Schattenwurf führt.

Die Werte des Schattenwurfs sind am dunkelsten direkt neben dem unteren Rand der Kugel und werden nach und nach transparenter (oder heller), je weiter der Schatten von der Kugel entfernt ist.

Zusammenfassung

Bevor Du eine Zeichnung überhaupt beginnst, denke erst über folgende Fragen nach:

  • Wo sind die Lichtwerte? Suche nach den hellsten Bereichen auf dem Objekt.
  • Wo sind die dunklen Werte? Dunkle Werte zeigen meist die Abschnitte des Objekts an, die sich im Schatten befinden. Durch Lokalisieren von Schatten kann man auch die Lichtquelle identifizieren.
  • Wo ist der Kernschatten? Dieser Bereich ist am dunkelsten.

Schielen oder die Augen zusammenkneifen, um Werte und einfache Formen zu sehen 

Das klingt wie ein Scherz, aber es ist durchaus ernst gemeint. Wenn es Dir schwerfällt, einfache Formen in Licht- und Schattenwerten zu sehen, dann kneife einfach mal die Augen zusammen. Solange, bis Du kaum noch etwas siehst. Dann betrachte Dein Objekt mit zusammengekniffenen Augen. Deine Augen konzentrieren sich nur noch auf die große Form, das große Licht, den großen Schatten. Probiere es mal aus und trainiere, mit diesem simplen Hilfsmittel  die Farben in Tonwerte für Deine Zeichnung zu übersetzen.

Ein anderer Trick wäre noch: Du machst ein Foto und druckst es in Schwarzweiß aus. Das geht auch.