Das Medium in der Acrylmalerei

Acrylfarben sind eines der vielseitigsten Malmittel, mit denen ein Künstler arbeiten kann. Sie können verdünnt werden, um wie Aquarelle zu wirken, oder sie können dick aufgetragen werden, um pastose Effekte zu erzielen.

Und sie trocknen sehr schnell und ermöglichen es dem Künstler, Farben schnell zu schichten. Diese schnelle Trocknungszeit kann jedoch auch ein Nachteil sein. Das Mischen von Farben muss beispielsweise schnell erfolgen, bevor die Farbe trocknen kann.

Ein weiterer Vorteil der Arbeit mit Acrylfarben ist die große Auswahl an Medien und Additiven, die mit der Farbe verwendet werden können, um das Verhalten und die Darstellung  auf dem Bildträger zu ändern. 

Tatsächlich gibt es sehr viele Produkte, die das Verhalten von Acrylfarben verändern. Es ist überwältigend.

In dieser Lektion werden wir die Unterschiede zwischen Medien und Zusatzstoffen (Additiven) untersuchen. Das hilft Dir vielleicht besser herauszufinden, welche Medien Du möglicherweise benötigst, auf welche Du verzichten kannst und welche Unterschiede zwischen den Medien bestehen, die üblicherweise mit Acrylfarben verwendet werden.

Der Unterschied zwischen Acrylmedien und Additiven 

Beginnen wir damit, zunächst die Unterschiede zwischen Medien und Additiven zu bestimmen. Um den Unterschied vollständig zu verstehen, müssen wir uns die Grundbestandteile der Acrylfarbe ansehen.

Acrylfarben bestehen wie alle Farben aus drei Grundbestandteilen.

1. Pigment 
Pigment gibt einer Farbe ihre Farbe. 
Pigmente können aus natürlichen Ressourcen gewonnen oder von Menschenhand hergestellt werden. Pigment ist ziemlich universell, was bedeutet, dass die gleichen Pigmente in Aquarell, Öl, Pastell und Acryl verwendet werden.

2. Bindemittel (Binder)
Bindemittel ist das Material, das das Pigment an Ort und Stelle hält. Das Bindemittel in Acrylfarbe ist ein Acrylpolymer. 
Nach dem Trocknen macht das Bindemittel aus Acryl die Farbe - wie jeder andere Kunststoff auch - wasserdicht und sorgt dafür, dass sie an der Oberfläche „haftet“, auf die sie aufgetragen wird.

3. Lösungsmittel

Lösungsmittel beeinflussen die Fließfähigkeit des Lacks. Lösungsmittel variieren zwischen verschiedenen Farbtypen. Das Lösungsmittel für Acryl ist Wasser. Wenn Wasser mit dem Bindemittel kombiniert wird, kann die Farbe auf der Bildoberfläche verteilt werden.

Wenn Acryl trocknet, verdampft das Lösungsmittel (Wasser) und das Bindemittel härtet aus, was zur fertigen Oberfläche führt.

Wie Du sehen kannst, ist das Bindemittel sehr wichtig. Es steuert viele Aspekte des Verhaltens der Farbe, einschließlich der Art und Weise, wie sie sich an die Oberfläche „bindet“, auf die sie aufgetragen wird.

Und hier sehen wir den deutlichen Unterschied zwischen Acrylmedien und Additiven: Acrylmedien haben ein Acrylbindemittel, Additive jedoch nicht.

Acryl - Medium

Die meisten Acrylmedien erfüllen häufig „doppelte Aufgaben“, sodass viele verschiedene Formen von Acrylmedien überflüssig sein können.

Alle Acrylmedien fallen im Allgemeinen in eine von zwei Kategorien - Flüssigkeit oder Gel. 

Viele der hier beschriebenen Medien sind sowohl in flüssiger als auch in gelartiger Form erhältlich.

Gel - Medium 

Gelmedien sind, wie der Name schon sagt, Acrylmedien mit einer sehr dicken Konsistenz. Oft befinden sich diese Medien in kleinen Dosen anstelle von Flaschen, die den Künstler dazu ermutigen, das Medium herauszudrücken. Diese Medien werden am besten mit einem Spachtel aus ihren Behältern aufgenommen.

Gelmedien können eine Vielzahl von Aufgaben ausführen und das Verhalten der Farbe auf unterschiedliche Weise beeinflussen.

Alle Gelmedien verlängern die Farbe und beeinflussen die Farbintensität. Je mehr Medium Du der Farbe hinzufügst, desto weniger intensiv wird die Farbe. Bei einem guten, nicht zu billigen Medium ist die Entsättigung der Farbe allerdings kaum sichtbar.

Wenn Du jedoch viel Medium an wenig Farbe hinzufügst, dann ist diese verringerte Intensität offensichtlich. Dies ist ein Vorteil, wenn Du  Lasuren malen möchtest. 

Gloss Medium (Glanzmedium)

Wenn Acrylfarbe mit Glanzmedium versetzt wird, ändert sich das Finish der Farbe. Wie der Name schon sagt: Glanzmedien machen das Bild glänzend, als ob ein Glanzlack aufgetragen worden wäre.

Wann verwendet man Glanzmedium?

Mattes Medium

Mattes Medium mildert den natürlichen Glanz von Acrylfarben, was zu einem trüberen Erscheinungsbild führt. Dieses Gelmedium ist das vielseitigste der Reihe. 

Verwendung:

Modeling Gel (Modelliergel)

Modelliergel ist ein Gelmedium, das den Farbkörper stark vergrößert. Es kann beim Trocknen mit einem Spachtel oder einem Pinsel geformt werden. Dieses Medium eignet sich am besten für ausgeprägte pastose Effekte.

Wann zu verwenden:


Schauen wir uns nun flüssige Gelmedien an…

Flüssige Medien 


Flüssige Medien sind wesentlich dünner als Gelmedien. Die meisten flüssigen Medien befinden sich in Behältern, die gegossen werden können. Während Gelmedien die Farbe etwas dicker machen oder die Konsistenz der Farbe kaum verändern, erhöhen flüssige Medien typischerweise die Fließfähigkeit.

Wie bereits erwähnt, kennzeichnet Liquitex flüssige Medien mit einem großen „F“ auf dem Etikett. Allerdings kennzeichnen nicht alle Hersteller ihre Medien so.

Flüssige Medien gibt es in glänzenden, matten und seidenmatten Ausführungen.

Wann zu verwenden:


Flüssige Medien werden am besten in Situationen verwendet, in denen man den Farbfluss verbessern möchte, ohne die Farbsättigung zu beeinträchtigen. 

Es gibt noch zwei andere flüssige Medien, die für den Acrylmaler sehr interessant sind, da sie scheinbar das Verhalten der Farbe selbst verändern.

Glazing Fluid

Das erste flüssige Medium, das wir diskutieren werden, ist Glazing Fluis (Lasurmedium). Beim Lasieren werden halbtransparente Farbschichten über zuvor aufgetragene Farben geschichtet. Die Farbe oder der Wert darunter wird durch die durchscheinenden Schichten angezeigt, was zu einer optisch gemischten oder wahrgenommenen Farbe führt.

Diese Art des Gemäldeaufbaus beruht auf den Maltechniken der alten Meister, bei denen eine Griseille-Untermalung gemacht wird. Durchscheinende Farben werden dann in Schichten darüber lasiert. Die darunter festgelegten Werte werden weiterhin angezeigt, aber auch die glasierten Farben oben sind sichtbar. (Wenn Du mehr über diese Technik erfahren möchtest. dann findest Du hier einen Artikel darüber:  >> Grisaille

Lasieren kann tricky sein und erfordert etwas Übung, aber es gibt dem Künstler jedoch ein Höchstmaß an Kontrolle über die Werte und Farben.

Man kann auch eine Llasur erzeugen, indem man der Farbe einfach Wasser zufügt. Dadurch wird jedoch das Bindemittel geschwächt. Wenn das Bindemittel zu dünn wird, haftet die Farbe nicht gut an der Oberfläche.

Hier kommt das Glazing Fluid zum Einsatz. Lasurmedium verdünnt die Farbe, aber da sie Bindemittel enthält, beeinträchtigt sie die Haftungseigenschaften der Farbe nicht nachteilig. Dies bedeutet, dass man sehr dünne Farbschichten erstellen kann, ohne sich Sorgen machen zu müssen, dass die einzelnen Farbschichten nicht haften.  

Wann zu verwenden:

Retarder

Wie Du weißt, trocknen Acrylfarben unglaublich schnell. Es gibt eindeutig Situationen, in denen dies von Vorteil ist, aber oft nicht. 

Eines der großartigen Dinge an Ölfarben ist, dass sie langsam trocknen und man deshalb die Farben sehr viel besser manipulieren kann als Acrylfarbe. Das liegt daran, dass Öle von Natur aus sehr langsam trocknen. Auf diese Weise kann man Übergänge zwischen Werten und Farben einfach mischen und so lange bearbeiten, bis sie genau richtig sind.

Auch wenn Acryl dies theoretisch kann, muss man unglaublich schnell arbeiten, um ein ähnliches Resultat zu schaffen.

Retarder verlangsamt, wie der Name schon sagt, die Trocknungszeit von Acrylfarbe. Dies gibt Dir die Möglichkeit, Anpassungen wie das Mischen oder Arbeiten in einer anderen Farbe direkt auf der Oberfläche vorzunehmen.

Das Zeitfenster erweitert sich allerdings nur für ein paar Minuten, danach fängt der Retarder schon an zu kleben.

Wann zu verwenden:


Verwende ein langsam trocknendes Medium, wenn Du einige zusätzliche Minuten Trocknungszeit benötigst, um glattere Übergänge zwischen Farben und Tonwerten zu erzielen. 

PS: Einige Hersteller stellen offene Acrylfarben her, die viel langsamer trocknen als herkömmliche Acrylfarben (z. B. die Firma GOLDEN).

Wenn Du also viel mischst und möchtest, dass sich Deine Acrylfarben eher wie Ölfarben verhalten, dann probiere doch diese Farben einmal aus. Das ist sicher besser, als literweise Retarder zu verwenden.

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