Zeichnen mit Pastellkreide

... ist Zeichnen mit beinahe reinen Pigmenten. 

Farbige Pastellzeichnungen wirken oft etwas plakativ und unnatürlich. Das kann eine bewusste Entscheidung des Künstlers sein, aber oft auch liegt es an der Auswahl der Stifte bzw. Kreiden.

Die Farben sind sehr leuchtend und intensiv.

Pastellkreiden kann man mischen durch ein Übereinandersetzen verschiedener Farbtöne (z. B. ein Gelb auf Blau ergibt Grün). Das erfordert jedoch ein wenig Übung und auch eine gute Kenntnis des Farbenmischens. Zeichenanfänger jedoch brauchen eigentlich für jeden Farbton einen eigenen Stift.

Übersicht

Ich liebe es, mit Pastellen zu zeichnen - die brillianten, leuchtenden Farben ersetze ich auf meiner Palette in viele verschiedene Grautöne. Sozusagen meine persönliche Handschrift.

Pastellkreiden sind auch deshalb so populär, weil man gute Ergebnisse realtiv schnell und kostengünstig erlangen kann. Man braucht keine Pinsel, Lösungsmittel oder eine Palette. Alles, was Du wirklich brauchst  um loszulegen, sind ein paar Pastellstifte und ein Blatt Papier. Das reicht für den Anfang.  

Pastelle werden hergestellt, indem trockenes Pigment, etwas Kreide und ein Bindemittel zu einer dicken Paste zusammengemischt werden. Die Paste wird zu Stäbchen geformt und getrocknet.

Trotz ihrer Einfachheit sind Pastelle sehr vielseitig. Wie Du unten sehen kannst, gibt es fünf Haupttypen von Pastellen, die eine Vielzahl von Techniken und Effekten ermöglichen. Weiche Pastelle und Ölpastelle haben eine butterartige oder wachsartige Textur, die sich gut für malerische Effekte eignet. Wenn man die gesamte Oberfläche des Bildträgers mit Pastellfarben bedeckt, dann spricht man von einer Pastellzeichnung. Härtere Pastelle dagegen eignen sich gut zum Skizzieren und für präzise Detailarbeiten. 

Gut zu wissen:

Auch wenn Dein Bild vielleicht am Ende wie ein Gemälde aussieht: Pastelle gehören zu den Zeichentechniken. Es bleibt daher immer eine Zeichnung!

Qualität

Pastellkreiden gibt es in zwei Qualitäten zu kaufen: Künstlerqualität und Studienqualität.
Pastelle in Künstlerqualität enthalten die besten verfügbaren Pigmente und ein höheres Verhältnis von Pigment zu Bindemittel. Dies bedeutet, dass diese Farben stärker und intensiver sind. Sie haben auch eine hohe Lichtechtheit, was bedeutet, dass sie mit der Zeit nicht verblassen.

Studienpastelle sind viel billiger, enthalten aber normalerweise billigere Pigmente. Sie enthalten auch mehr Füllstoff und Bindemittel, was bedeutet, dass die Farben nicht so intensiv sind, aber nicht so leicht zerbröckeln wie Künstler-Pastellkreiden.

Wenn Du mit Pastellfarben experimentieren möchtest, aber noch nicht bereit bist, viel Geld zu investieren, rate ich Dir trotzdem vom Kauf von Pastellkreiden in Studienqualität ab. Die Ergebnisse beim Zeichnen können sehr frustrierend sein und Dir vielleicht die Lust an der Entdeckung der Pastellkreide nehmen.

Kaufe Dir ein paar einzelne, gute Stifte oder ein kleines Set in guter Qualität.  Besser, Du beschränkst anfänglich Deine Farbpalette und wenn Du feststellst, dass Du Freude an diesen Arbeiten hast, dann kannst Du Dir jederzeit noch andere Farben hinzukaufen. 

Gesundheit:

Wenn Du weiche Pastellfarben verwendest, musst Du wissen, dass diese Kreiden häufig feinen Staub in die Luft abgeben, den man leicht in die Lunge einatmen kann. Es gibt zwar ungiftige Pastellfarben, aber Staub in der Lunge will man ja auch nicht.  

Einige Künstler tragen Gesichtsmasken. Nicht so mein Ding, diese Masken, man muss sie inzwischen ja überall tragen, aber zu Hause will ich das einfach nicht. Wenn das Wetter es zulässt, arbeite ich gerne draußen. Im Garten und an der frischen Luft, das ist herrlich.  Andernfalls zeichne ich in meinem Atelier, das ist stets gut belüftet. Außerdem habe ich mir für mein Atelier eine Luftfilteranlage gekauft, die Feinstaub aus der Luft filtert. 

Pastelltypen 

Es gibt fünf Haupttypen von Pastellfarben: 

Softpastelle, PanPastel, harte Pastelle, Pastellstifte und Ölpastelle.

Der wesentliche Unterschied liegt in der Art des Bindemittels. Softpastelle, harte Pastelle und Pastellstifte sind alle mit einem Gummi- oder Harzbinder gebunden, was bedeutet, dass sie miteinander kompatibel sind und für dieselbe Zeichnung verwendet werden können.

Ölpastelle hingegen sind mit Öl und Wachs gebunden, was ihnen eine einzigartige Textur verleiht, die der von Ölfarben ähnelt. Dies bedeutet jedoch, dass sie nicht mit den anderen Pastelltypen gemischt werden können. 

Softpastelle

Weiche Pastelle sind die traditionelle Form von Pastellen und werden auch am häufigsten verwendet. Sie haben eine sehr hohe Pigmentkonzentration, die durch möglichst wenig Gummibindemittel zusammengehalten wird. Infolgedessen zerbröckeln sie sehr leicht, aber ihre Farben sind wunderbar intensiv. Diese zerbrechliche Konsistenz und pudrige Textur macht sie gut geeignet zum Mischen, Lasieren und für malerische Effekte. 

Softpastelle gibt es in einer Vielzahl von Farben (mehr als bei anderen Pastelltypen) - einige Hersteller bieten bis zu 500 Farben an!  

Es gibt zylindrische Sticks in verschiedenen Größen: ganze Sticks, halbe Sticks und dicke Sticks. Man kann sie einzeln kaufen, aber wenn Du Deine ersten Pastellfarben kaufst, ist es möglicherweise einfacher, ein Starter-Set mit einer ausgewogenen Farbpalette zu kaufen, das Du mit der Zeit erweitern kannst.

Jeder Hersteller verwendet eine etwas andere Formel, die die pudrige Textur beeinflussen kann und die Brüchigkeit des Stifts. Möglicherweise musst Du etwas experimentieren, um Deine Marke zu finden, die am besten zu Deinem Stil passt. 

Was Du allerdings vor dem Kauf beachten solltest: Softpastelle eignen sich nur bedingt für feine Arbeiten, sondern eher für etwas grobe Zeichnungen und große Flächen.

PanPastelle

PanPastelle sind weiche Pastelle, aber anstatt zu Stäbchen geformt zu werden, werden sie in kleine Dosen gepresst. Auf diese Weise kann man auf viel Bindemittel verzichten und damit enthalten diese Kreiden die wahrscheinlich die höchste Pigmentkonzentration aller Pastellprodukte. Die Dose schützt das Pigment, reduziert Abfall und ermöglicht eine einfache Lagerung und einen einfachen Transport.

PanPastelle sind erst seit ein paar Jahren auf dem Markt und haben in dieser kurzen Zeit eine große Anhängerschaft gewonnen. Sie sprechen Künstler an, weil sie mit Pinseln, Schwämmen und anderen Werkzeugen auf den Bildträger gebracht werden können. Man kann jede Menge spezielle PanPastel-Applikatoren namens "Sofft Tools" kaufen, die von Feinarbeiten bis hin zu gröberen Farbaufträgen die ganze Bandbreite beim Pastellzeichnen abdecken.  

Man kann sie einzeln kaufen oder aus einer Vielzahl von Sets auswählen.

Ich selbst verwende PanPastelle stets für die ersten Schichten meiner Zeichnungen - also schaffe mir damit die Basis. 

Harte Pastelle

Harte Pastelle werden aus den gleichen Zutaten wie weiche Pastelle hergestellt, außer dass sie mehr Bindemittel und weniger Pigmente enthalten. Dies bedeutet, dass ihre Farben nicht so intensiv sind, aber auch nicht so leicht zerbröckeln oder brechen.

Weil sie stabiler sind, eignen sich harte Pastelle besonders für feinere Zeichentechniken. Sie werden in zylindrischen oder quadratischen Stäbchen hergestellt, die man mit einem Messer oder mit speziellen Pastellschleifern schärfen kann, um feine Linien zu erzeugen. Alternativ können die Seiten der Sticks zum Auftragen breiter Farbflächen verwendet werden.

Man kann harte Pastelle für eine gesamte Zeichnung verwenden, aber sie auch mit weichen Pastellen kombinieren. 

Harte Pastelle gibt es in Künstler- und Studienqualität. Wenn nichts weiter auf der Verpackung angegeben ist, handelt es sich in der Regel um Studienqualität. Es sind weniger Farben verfügbar als für weiche Pastellfarben, aber dennoch mehr als genug. 

Pastellstifte

Pastellstifte sind perfekt, wenn Du kontrollierte, detaillierte Kunstwerke mit Pastell kreieren möchtest. Sie sind eigentlich wie Buntstifte, aber im Holz befindet sich ein dünner Pastellstift, der eine Konsistenz zwischen harten und weichen Pastellen aufweist.

Pastellstifte sind vielseitig genug, um allein verwendet zu werden, aber viele Künstler verwenden sie auch in Kombination mit anderen Pastelltypen (ausgenommen Ölpastelle). Sie können trocken oder nass verwendet werden und können wie andere Pastelle gemischt werden. Man kann sie mit herkömmlichen Spitzern schärfen, um präzise Details zu erstellen, oder sie ungespitzt für weiche, verschwommene Linien verwenden. 

Die meisten Hersteller bieten ca. 60 Pastellstiftfarben an, die man einzeln oder im Set kaufen kann. Ich würde Dir empfehlen, zunächst eine kleine Auswahl einzelner Farben zu kaufen, mit denen Du experimentieren kannst.

Ich selbst habe jeweils ein komplettes Set von Caran D 'Ache - sie sind sehr weich, die Farben sehr intensiv. Ich verwende sie immer dann, wenn ich besonders starke Farben haben möchte. Dann einen Kasten von Derwent, die sind an und für sich auch prima und man kann beinahe alles damit realisieren. Und ich habe ein komplettes Set der Pitt-Pastelle von Faber Castell. Die sind etwas härter und damit geignet für allerfeinste Details. Außerdem sind die Farben natürlicher als bei allen anderen Herstellern.

Ölpastelle

Magst Du die Textur und Vielseitigkeit von Ölfarben, hasst aber die stinkenden Chemikalien und die vielen erforderlichen Mal- und Hilfsmittel? Wenn ja, dann wirst Du Ölpastelle lieben.

Ölpastelle sind im Grunde genommen zylindrische Pigmentstifte, aber sie sind mit Wachs und Öl gebunden, nicht mit Gummiarabikum. Dieser scheinbar unbedeutende Unterschied verleiht ihnen eine ausgeprägte Konsistenz und verschiedene Eigenschaften, die bei anderen Pastelltypen fehlen.

Der erste Unterschied besteht darin, dass Ölpastelle nicht wie weiche Pastelle zerbröckeln, verschmieren oder Staub in der Luft freisetzen. Dennoch enthalten sie genauso viel, wenn nicht sogar mehr Pigmente und erzeugen helle, intensive Farben.

Sie sind auch stabiler als weiche Pastellfarben und erfordern kein Fixiermittel. Dies macht sie ideal für den Einsatz vor Ort, aber sie trocknen nie vollständig, so dass ein sicherer Transport problematisch sein kann.

Ölpastelle haben eine wachsartige Konsistenz, ähnlich wie Buntstifte, die sie von weichen Pastellen unterscheidet. Sie können wie Ölfarbe auf dem Träger verteilt werden, um starke, butterartige Striche zu erzeugen. Die Verwendung von Ölpastellen ist einfach und erfordert keinerlei Vorkenntnisse. 

Man kann tolle Effekte erzielen, wenn man sie z.B. mit Terpentin verdünnt - auf diese Weise lentstehen Lasuren oder Waschungen. 

Warum aber sind weiche Pastelle beliebter? 

Ölpastelle lassen sich nicht so gut mischen und sind nicht mit anderen Pastelltypen kompatibel. Dies bedeutet, dass Detailarbeiten etwas schwierig sein können, wodurch Ölpastelle nur für gröbere Arbeiten besser geeignet sind. 

Ich habe eine kleine Auswahl an Basismaterialien zusammengestellt - falls Dir noch etwas fehlt, dann findest Du es vielleicht

>> HIER

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